[Erfahrungsberichte] Übertraining

  • Liebe Community,


    ich frage mich seit neuestem ob es überhaupt ein Untertraining gibt, warscheinlich ist das der Zustand eines Couchpotatoes, aber das Übertraining hatten wir vielleicht schon alle einmal.


    Mich würde interessieren:


    - wie es bei euch dazu kam?
    - wie ihr euch gefühlt habt, welche Auswirkungen hatte das ganze?
    - wie habt ihr das Übertraining überwunden, wie habt ihr euchvom körperlichen Stress erhohlt?


    Vielleicht kann man daraus am Ende des Tages einmal einen Artikel im Magazin veröffentlichen, deshalb ist es wichtig möglichst detailgetreue Erfahrungen zu sammeln.


    Bei mir ist es so das ich in der Landwirtschaft rund um die Uhr tätig bin. Ich kam gerade 2 mal in der Woche ins Training, Pausen legte ich keine ein da ich ja mit relativ leichtem Gewicht arbeitet. Dafür eben 5 - 6 2er Sätze. Also im Maximalbereich. Ich hab ledigleich das Gewicht um 10Kg reduziert. Das war ein Fehler. Im August fühlte ich mich müde, ich machte zwar meine halbstündlichen Mittagsschläfchen und versuchte dem Körper mehr Nährstoffe in Form von Milchshakes zu geben. Ich hab auch Traubenzuckerpulver reingeschüttet, also eine Art Pushing.


    Am Ende dauerte es 6 Wochen bis mitte September, da dachte ich echt ich könnte eine weitere Woche Vollgas geben. Ich war zwar im Training voll konzentriert und führte jede Einheit so aus als wäre es die letzte, daher hatte ich auch das berühmte Flackern in den Augen, aber ich machte weiter, und weiter. Bis ich mal am Abend gegen 20:15 in den Keller runter ging, und die 91Kg @ 4x6 Kreuzheben fühlten sich sehr schwer und anstrengend an. Da war es mir dann klar was eigentlich los ist, der Junge hat den Bogen weit überspannt.


    Das war dann die Woche wo wir für´s Kirchweihfest (Kirtag) hergerichtet haben. Ich habe einen Betonreifen ein paar Zentimeter rübergehoben und spürte das mächtig im Kopf. Ich hätte mich echt hinsetzen können. Das war ein Mittwoch. Ich führte da nur mehr ein Training am Donnerstag durch, mit 40% vom Max. Gewicht und wenig Volumen. Also um die Durchblutung zu fördern.


    Am Dienstag beim wegräumen dachte ich mir echt woll mal sehen was mit den Betonreifen heute möglich ist. Ich stellte den Kopf darauf ein nach eine Palette, stellte zwei Reifen unten und einen dritten Reifen oben mittig drauf. Dann holte ich noch eine Palette und machte das ganze 6 mal. Am Ende waren es 18 Reifen auf 6 Paletten und ich wusste ich bin wieder da und das schlimmste ist vorbei.


    Jetzt darf ich eben wieder alles neu aufbauen, mit der Erfahrung das eine 7-tägige Pause zwischendurch gar keine so blöde Idee ist.


    Wenn man ehrlich ist, ist Übertraining eine Art Stress. Egal ob Kopfweh, Müdigkeit, oder andere Gelenksschmerzen. Es sind alles Anzeichen auf die man hören sollte, zumindest wenn man nicht gerade Krank werden möchte.

  • Das, was du da hattest war einfach leichtes "ausgebrannt" sein. Echtes Übertraining ist wie ein Burnout. Sehr schlechter Schlaf, mässiger Apetit, erhöhter Ruhepuls, depressive Stimmung.......


    HIT Verfechter können Lieder davon singen.


    Ich selbst kam noch nie so weit, auch wenn ich in meinen jungen Jahren richtig auf den Putz gehauen habe. 6-7 Krafteinheiten, 3* Basketball, 1* Spiel, Sprungkrafttraining und Cardio in der Zeit dazwischen. Nix, kein ÜT.


    Der Mensch kann viel mehr leisten, als es manch einer glauben will. Klar sollte man aufpassen, aber immer mit der Panik im Nacken ins Training zu gehen ist totaler Quatsch.


    Power kommt nicht vom Rumgeeiere, sondern von brachialer Power. Diese erlangt man leider nun mal nicht in Wellness Clubs, sondern mit Hornhaut an den Händen!!! Ist ja auch noch keiner braun geworden, nur weil er das Licht im Treppenhaus angemacht hat, oder?

  • er Mensch kann viel mehr leisten, als es manch einer glauben will. Klar sollte man aufpassen, aber immer mit der Panik im Nacken ins Training zu gehen ist totaler Quatsch.

    genau so! Viele nehmen das "Übertraining" gerne als Ausrede um weniger Hart oder weniger oft zu trainieren. In Wahrheit ist es für gesunde, junge Menschen nahezu unmöglich ins Übertraining zu rutschen, da der Körper das Training bereits "versaut" bevor es soweit kommt (z.B. durch Lustlosigkeit und schlechte Leistung). Solltest du aber einen so starken Willen haben und deinen Körper über mehrere Wochen trotzdem täglich für Stunden ins intensive Workout zwingen, dann wird sich das als Übertraining bemerkbar machen. Aber das merkst du dann auch deutlich, da sich dein Körper generell krank anfühlt.


    Fazit:

    Power kommt nicht vom Rumgeeiere, sondern von brachialer Power. Diese erlangt man leider nun mal nicht in Wellness Clubs, sondern mit Hornhaut an den Händen!!!

  • Ein Burnout geht viel, viel tiefer in die Psyche. Ein Burnout ist vor allem eine geistige Erkrankung und mit Depressionen vergleichbar/verwandt.


    Burnout äussert sich durch Perspektivlosigkeit/allgemeiner Überlastung/Antriebslosigkeit/Traurigkeit/Müdigkeit usw usw aus.


    So stark kann ein Übertraining gar nicht sein. Trotzdem sagen sich BO+ÜT täglich höflich "guten Tag".

  • Vllt sollte das Thema grade jetzt zu Beginn der kürzeren Tage das Thema Vitamin D Mangel mit in die Überlegungen einfließen.


    Denn ein tatsächliches (aus medizinischer Sicht) Übertraining äußert sich häufig erstmal mit den bereits genannten Sachen, ja aber...
    Wenn es dazu kommt das Ermüdungsbrüche auftreten und es tatsächlich und nachweisliche körperliche Beeinträchtigungen gibt, dann spricht man von Übertraining.
    Mir liegt es fern das aus der Distanz zu beurteilen, aber meist ist es eher einfach ein Motivationstief oder fehlendes Vitamin D (entstanden durch zu wenig Sonne).


    Supplementieren von Vitamin D oder eine gute Tageslichtlampe sind Möglichkeiten hier abhilfe zu schaffen. Alternativ mit einem erfahrenen Sportler ab und an mal trainieren um die eigene Motivation zu pushen.


    Also bleibt gesund und am Eisen!