[Erfahrungsberichte] Training Früher / Training Heute

  • Hallo Leute,


    man sagt früher war alles besser weil es noch keine Maschinen gab und menschliche Arbeit noch was Wert war. Jetzt haben wir die nötigen Technologien um neue Wege zu entdecken die wir noch gar nicht kennen.


    Ich trainiere zwar im Homegym, dennoch sind die Geschichten die mir mein 50 jähriger Kollege auf der Arbeit erzählt immer wieder interessant.


    Es gibt hier im Forum sicherlich die ein oder anderen User die schon 3 Jahrzehnte den Kraftsport / Muskelaufbau betreiben. In der Zeit hat man sicherlich schon vieles erlebt, was sind so eure Geschichten / Erlebnisse die ihr schon immer mal teilen wolltet?


    Bin gespannt.


    Ich dachte mir nach 9 Jahren Training ich sollte mal ins Studio (Crossfit Studio / Trainer) fahren um meine Technik überprüfen zu lassen. Ich beugte 110Kg, drückte die 90Kg sauber und hob die 130Kg mehrmals auf mit meinen 78Kg. Ich fuhr genervt nach Hause weil der Trainer von meiner guten Spannung im Schultergürtel beim Kniebeugen überrascht war. Dabei hoffte ich auf Kritik. :lol:

  • Hey,


    interessantes Thema - und für mich schwierig da mitzureden, weil ich 90er Kind bin :D 1993 geboren um genau zu sein. Aber selbst ich nehme die letzten Jahre eine Entwicklung wahr: Vor fünf Jahren waren die meisten Trainierenden in meinem Studio (50-70€ Mitgliedsbeitrag im Monat) 40+. Die meisten Walk-Ins und Probetrainings waren Ehepaare, die etwas für ihre "allgemeine Fitness" und "gegen die Rückenschmerzen" machen wollten.


    Das hat sich die letzten 2-3 Jahre rapide verändert. 80% der Neuanmeldungen sind Personen unter 25 Jahren. Und das merkt man im Studio gleich doppelt: Die Generation 40+ kommt im Schnitt so zweimal die Woche ins Training. Die unter 25-jährigen kommen 4-6x/Woche, heißt die siehst Du 2-3x so oft.


    Was man aber auch bei vielen merkt: Die wenigstens sind bereit wirklich etwas zu investieren. Und ich rede jetzt nicht mal von Ernährung, dem Lifestyle oder sonst was. Sondern bloß vom Training. Und da gibts genug die lieber an den Geräten sitzen (am besten noch Milon), 60s die Übung machen, kurz Pause und weiter. Statt sich wirklich mal mit Grundübungen zu beschäftigen, sich progressiv zu steigern, wirklich Erfolge zu erzwingen und dann auch zu sehen.


    Alle nur noch faul..

  • Es sind zwar noch keine 3 Jahrzehnte, aber 2 habe auch ich bereits auf dem Buckel.


    Wie Hustlenomics es bereits bemerkt hat, wurden die Altersgruppen über all die Jahre immer jünger. Damals war ich noch ein Exot im Gym. Die Studioleitung fand mich "süss" mit meinen 16 Jahren und meinen Ambitionen. Kurz darauf war ich der "Bodybuilder" im Gym, mit 80 kg/180cm/9% KFA !!!! Hahahaha****


    Was mir über all die Jahre auffiel ist, wie sich die Drogeneinnahme von den Pros zu den Bubis verlagert hat.

    Als ich mit dem Training begann, dachten noch alle Whey sei "Anabolika" und ich ein Stoffer wenn ich mein Protein trank oder meine Riegel futterte.


    Ich sah aus wie ich aussah und war unter den Naturalen wohl plus minus Ende der Fahnenstange. Nur die richtig breiten Jungs sahen auch aus wie richtig breite Jungs. 100kg aufwärts, Stiernacken, Gorillarücken, Baumstämme als Beine, 12x die Woche im Gym, offen, ehrlich, hilfsbereit, weit entfernt von Youtube und Co.


    Heute sehen alle aus wie Zyss. Manche im Forum mögen sich noch an ihn erinnern, die andern sollen einfach mal googeln. Er starb sehr früh. Er war meilenweit von einem echten Bodybuilder entfernt und trotzdem randvoll mit Drogen. Selbstverliebt war er auch, da gehst du kaputt daran. Leider hatte er eine Entwicklung mit in die Welt gerufen, die bis heute immer schneller voran schreitet.


    Von den richtig prallen Jungs sind noch ein paar wenige übrig. Und die kratzen an der 50er oder gar der 60er Marke.

    Auffallen wollen die nicht. Die ziehen ihr Ding durch und gehen wieder Heim. Kein Posing mit Selfiestick, kein Golds Gym Outfit, nix mit Kaputzenpulli oder Gürtel in XXXL- Format. Kein Pulver-Mixen in der Garderobe oder schwachsinniges Gelaber über Bizepscurls.


    Kurz:

    Ich vermisse die alten Tage im Gym mit Leuten, die aus Überzeugung Gewichte bewegen und nicht weil Fratzenheft Fuzzi-123 das coolere Shirt anhatte beim letzten Post und ich ihn mit dem neuesten Selfie übertrumpfen muss.

  • Danke Jungs für eure Meinungen.


    Also spiegelt die Entwicklung der Menschheit die Geschehnisse in den Foren und Studios wieder.


    Wenn ich in meinen Keller gehe und einen auf Bodybuilder machen müsste, könnte ich ohne die 4 großen Übungen kein Training gestalten. Es fühlt sich nach nichts an, da ist keine Arbeit, keine Anstrengung und keine Leistung. Zeitverschwendung, außer man muss gezielt an seinen Schwachstellen arbeiten.


    Ich hab nur ein paar Fitnesscenter gesehen, hab die Tür aufgemacht, einen 180° Blick von links nach rechts gemacht und die Tür geschlossen weil ich nur Maschinen sah.


    Jedoch hab ich nur die Art von Studio im Kopf:


    Ein paar Maschinen (inkl. Laufbänder, 30%), ein paar Langhanteln samt einigen Kurzhanteln, Käfige/Racks (30%) ein paar Plätze für Gewichtheber Übungen (15%), Yoga/Gymnastik Matten (10%) und sonstige Plätze für Übungen vorm Spiegel.


    Ein paar Events alle paar Monate. Gewicht auf Wiederholungen bewegen, Schulterdrücken und rund herum stehen die Kumpels und pushen einen damit man die ein oder andere Wiederholung noch herausdrücken kann.


    Es spricht ja nichts dagegen wenn die Mitglieder jünger werden, aber dass das Niveau in die Tiefe gezogen wird ist bedenklich.



  • Cooles Video. Sehe ich mir auch immer wieder gerne an 8)


    Man muss aber auch gestehen, dass es früher nur entweder oder gab. Heute hingegen trainieren sogar Frauen an der Beinpresse, Teenager bemühen sich um einen gesunden Lebenswandel und Rentner fahren dank Elektrorad auch mal ohne den Bus in die Stadt. Nicht alles ist schlecht!!


    Problematisch ist in meinen Augen die Selbstdarstellung auf tiefen Niveau. Arni und Lou waren echte Brecher. Aber das was heute vor den Spiegeln hampelt ist nicht der Rede wert. Dazu zähle ich auch mich. Auch mit den besten Drogen wird nix. Denn ohne 20 Std. Trainingspensum die Woche kannst du ballern was du willst. Die grosse Bühne wirst du nie betreten. Das ist ein Fulltime Job, mit allem was dazu gehört. Egal ob natural oder auf Stoff. Von nix kommt nix. Ein paar Spritzen helfen da auch nicht weiter.


    Doch leider kapiert das die Jungend nicht. Und ich darf dann die steigenden Krankenkassenprämien bezahlen :rolleyes2:

  • Bin jetzt Mitte 40. Trainiere seit 15 Jahren muss aber auch mal was gutes über die Jugendlichen loslassen. In meinem Studio sind natürlich die typischen 20jährigen Stöhner mit schwarzem Bart, die mit Ganzkörperschwung eine 20 Kilohantel "curlen", oder Schulterdrücken mit Helfern an jeder Seite macghen und zum Schluss lautstark und theatralisch die Dinger in die Ecke pfeffern.
    Es gibt aber auch genug, die eine ausgewogenes Ganzkörpertraining bzw. Crossover machen. Das sind zwar nicht die Tiere, aber treiben nebst Kraftssport eben auch Laufen, Fußball. Da hat sich doch was am Bewusstsein getan.


    Ab und an, gönn ich mir aber immer noch ne Testo/Dianabol Kur, um mal wieder meine Kraftwerte zu erhöhen, die ich dann so lange wie möglich versuche zu halten. In meinem Alter, mit nicht wenig KF bin ich immer noch einigermassen stolz 170kg zu beugen, 220kg zu heben und 150kg zu drücken. Diäten hab ich schon lange sein lassen... mir macht nur Kraft Spaß.
    Aber dass ich auf Stoff 20h die Woche im Studio verbringen muss, ist mir neu. 3Split, schwere Grundübungen und 1 Pausentag in der Woche war immer meins.
    Mich würde es aber trotzdem mal interessieren, wie intensiv ihr unter Stoff trainiert. Darüber wurde bislang nie so viel geschrieben.

  • Genau die meinte auch ich. den Bart habe ich total vergessen ;)


    Aber ja, zum Glück tut sich auch was Gutes in der Richtung wie du sie beschreibst.


    Das 20 Std. Pensum war auf die ganz grossen Bühnenathleten bezogen. Logisch, dass du mit Willen auch stark und breit bist. Ob Stoff oder nicht, nur das Gesamtgewicht ändert sich. Wie gesagt, von nix kommt nix.


    Trotzdem könntest auch du nicht, ohne deutlichen Zeitverlust im Alltag, auf die Bühne. Nur schon das verdammte Cardio killt nochmals soviel Zeit wie das reine Aufbautraining. Kommt dann noch die Diät dazu inkl. Posing usw. wird ein 24 Std. Tag ziemlich eng.


    Wie es mit Train mit Stoff ist kann ich nicht sagen. Meine Leistungssteigerungen im Train kommen von Kaffee 😶 Und meine 15 Std. Trainings-Wochen liegen auch schon 10 Jahre zurück.

  • Was die "Drogeneinnahme" von den Bubis angeht, stimmts und das Alter nimmt ab. Ein paar von den Spezialisten kenn ich und wenn ich mich darüber unterhalte, haben die keinen blassen Schimmer, wieviel sie da nehmen bzw. was. Auf die Frage wieviel sie in der Woche nehmen, gibst nur ml Angaben, " ... ich nehm immer 1,5ml von dem Entatat in der Woche, also alle 4 Tage" :clever:. Clenbutarol ist sowas wie Wachstumshormone und überhaupt krasse Massephase mit 75kg.

    Das Schlimme ist, das viele Bartmänner eine Genetik haben, dass es sogar funktioniert. Egal mit was, egal wie. Zu meinem absoluten Neid, müssen die teils die Hanteln nur angucken und werden breit und hart. :cursing:

  • Also wenn ich in der Woche 6 Stunden zum Training komme ist es viel. Im Hochsommer wo in der Landwirtschaft Hochsaison herrscht gibt´s 6 - 8 Einheiten im Monat. Also maximal 12 Stunden im Monat. Und das funktioniert nur mit schweren Verbundübungen. Schadensbegrenzung eben. :)