Frauen erobern die Muckibude

  • von Vroni Fehlmann - Männer an den Hanteln und Frauen auf dem Crosstrainer – das war einmal. Der Trend zum Muskelaufbau hat das weibliche Geschlecht erreicht.


    Gewichtestemmen war lange Zeit eine Männerdomäne. Doch mittlerweile greifen auch Frauen immer öfter zur Hantel. Die Befürchtung, dadurch innert kürzester Zeit muskulöse Oberarme zu entwickeln, hat sich gelegt. «Vor ein paar Jahren tendierten Frauen noch zu Cardio- und Gruppentraining», erklärt Sandro Renold vom Fitnesscenter Swiss Training in Zürich. Inzwischen setzen sie jedoch vermehrt auf Krafttraining wie Crossfit oder Zirkeltrainings anstatt auf Yoga, Pilates und Zumba. «Es strafft die Haut und baut Muskelgewebe auf. Das ist eine gute Methode, um abzunehmen.»


    Im Trainingscenter One in Luzern sieht es ähnlich aus. «Dank Fitnesstrainern, Youtube und Social Media hat die breite Masse verstanden, dass Krafttraining hilft, eine schöne Figur zu erreichen», sagt Thomas Thoma, operativer Bereichsleiter Fitness. Es gehe nicht mehr primär darum, was die Waage anzeige, sondern vielmehr um das Aussehen. Beim Training werden laut Thoma Kalorien verbrannt, Muskeln gestärkt und die Haut verfeinert, was sich wiederum auf die Kontur auswirkt. Mehr Muskeln führten ausserdem zu einem höheren Kalorienverbrauch.


    Dass Frauen auf diese Art nicht gleich zu Muskelprotzen werden, wissen Fitnessexperten laut Thoma bereits seit fast 20 Jahren. In der Regel dauere der Aufbau von Muskeln beim weiblichen Geschlecht länger und sei auch weniger intensiv als bei Männern.


    Anderer Ansatz als die Männer


    Hinzu kommt, dass es Frauen beim Muskeltraining nicht darum geht, möglichst viel Gewicht zu stemmen, wie Andrea Bauer von der Migros Aare erklärt. Frauen wollten in den Fitnessparks der Migros mit Krafttraining vor allem den Büroalltag mit etwas Bewegung ausgleichen. «Der Trend geht allgemein Richtung gesundes Körperbewusstsein», so Bauer.


    Die Gefahr, dass sich Frauen während des Trainings verletzen, ist laut Thoma geringer als bei Männern. Von Muskelpaketen aus Youtube-Filmen inspiriert trainieren Letztere oft zu intensiv und mit deutlich zu viel Gewicht, um schnellstmöglich Muskeln aufzubauen. Frauen hingegen würden nur sehr selten das Ziel verfolgen, den Bizeps auf ein Maximum aufzupumpen, sagt Thoma. «Wenn sich Frauen verletzen, dann vor allem beim Hervorholen oder Versorgen der Gewichte, weil man dann nicht mehr gleich konzentriert ist.»


    Frauen bleiben das schwächere Geschlecht


    Dass die Damen in Sachen Muskelkraft den Männern bald ebenbürtig sein werden, ist laut Thoma ohnehin eine Illusion. «Jedoch können sie durch regelmässiges Krafttraining und eine ausgewogene Ernährung den Männern kraftmässig ein grosses Stück näher kommen. Diese haben von Natur aus mehr Muskeln, deshalb bleiben sie in der Regel etwas stärker als Frauen.»


    20min.ch